| Faszination Stampflehmbau |
| Written by Simon Fitz | |
| Wednesday, 07 October 2009 19:12 | |
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Vor kurzem besuchte ich einen Workshop über Lehmbau. Der Vortragende war Martin Rauch, jemand, der Lehmbau lebt. Seine Arbeiten kannte ich bereits aus der Dokumentation ‚Lust auf Lehm‘.
Der Workshop beschäftigte sich größten Teil mit seinem Wohnhaus, das in Stampflehmbauweise erbaut worden ist. Die Stampflehmbauweise ist nicht ungewöhnlich, hingegen aber die Tatsche dass das Material nach außen sichtbar ist. Unwillkürlich denkt man an Auflösungserscheinungen durch Witterung (=Erosion). Martin Rauch hat indes erklärt, dass die Erosion kontrolliert verläuft.
Dazu muss man wissen, dass für eine Stampflehmwand ein Konglomerat aus Gesteinsmaterial und feinem Lehmkleber verwendet wird. Die Mischung hat relativ wenig Lehmanteil – man nennt dies mager. Lehm kann man sich wie Beton vorstellen, der seinerseits eine Mischung aus Steinen und Zement-Kleber ist. Die Lehmmischung wird schichtweise in eine Schalung geschüttet und mit einem Stampfer verdichtet. Nach dem Ausschalen trocknet die Wand und härtet aus. Zurück zur Erosion: Bis zu einem Grad wäscht der Regen die feinen Partikel aus der Wand (Sande und kleinere Gesteinssplitter), ab einem gewissen Zeitpunkt ist die Oberflächenstruktur jedoch derart ‚ausgewaschen‘ das nur die steinigen Bestandteile bleiben (man stelle sich das Prinzip des Waschbeton vor). Dazwischen liegen die feinen Bestandteile und werden durch die großen Steine am herunter rieseln geschützt. Die Erosion wird behindert und verläuft somit kontrolliert.
Ich habe eine 20 Jahre alte Wand gesehen und kein Misstrauen hinsichtlich ihrer Standfestigkeit gehegt. Eine glatte Wand habe ich allerdings nicht gesehen. Aber gerade diese Oberflächenstruktur macht den Unterschied. Sie reizt mich hinzuschauen. Fast möchte ich sagen, dass der Blick an einer glatten Wand förmlich abrutscht, jedoch an der Lehmwand hängen bleibt. Gewiss, die Seltenheit einer sichtbaren Lehmwand spielt dabei auch eine Rolle.
Während des Workshops habe ich mich immer wieder gefragt, ob die Stampflehm-Bauweise eine Minimal Structure darstellt, also ob sie auf eine Stufe mit Membran-Bau, Kuppelbau bzw. Leichtbau im Allgemeinen zu stellen ist. Klar ist: Stampflehmbau ist eine struktureller Bauweise, d.h. sie kann Lasten abtragen - als stützendes Element. Als Überspannendes Bauteil ist er als Kuppel vorstellbar, aber andere Materialien sind hier weit überlegen. Lehm ist massives Bauen und keinesfalls Leichtbau.
Es ist vielmehr ein Minimalismus in Bezug auf das Bauen selbst: Lehm kann leicht beschafft werden. Große Teile der Erdoberfläche bestehen aus Lehmböden. Im Idealfall entstehen die Wände eines Hauses aus dem Aushub der Baugrube. Das großartige Beispiel hierfür liefert das Haus von Martin Rauch. Es steht halb im Hang und das was man dem Hang entnommen hat, hat man nach oben hinauf gestampft.
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| Last Updated on Sunday, 11 October 2009 16:06 |